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Alleine mit dem großen Wilden

Nordgrat

An einem Herbstwochenende war noch einmal Hochdruckwetter angesagt. Eine perfekte Chance noch einmal eine Bergtour zu unternehmen. So spontan fand ich keine Mitstreiter und ging daher alleine. Die Hüttensaison war bereits zu Ende und deshalb plante ich nur einen Tag zu gehen. Früh morgens packte ich mein Mountainbike in den Kofferraum und fuhr ins Allgäu, nach Hinterstein. Das Allgäu ist von meiner Heimat aus, die schnellste Möglichkeit in die Alpen zu kommen. Darum kenne ich die Gegend auch schon von Kindesbeinen an.

Da im Oktober die Tage bereits viel kürzer sind, als im Sommer, gab es für mich nur die Lösung mit dem Mountainbike. Zudem kann man sich ein Teil der Strecke sparen, und das Bike an den Wanderbus, der zum Giebelhaus fährt, hängen und ein Stück mitfahren. Das habe ich dann auch gemacht, da der Bus gerade auch zufällig da war, als ich losfahre wollte. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ – das ist nicht nur ein Sprichwort, das ist bei solchen Unternehmungen oft wichtig, vor allem zur Zeit der kurzen Tage.

Am Giebelhaus stieg ich aufs Bike und radelte 45 Minuten bergauf zur Pointhütte.

Pointhütte

Ein bisschen schieben musste ich auch, denn das Fahrradfahren ist nicht meine große Leidenschaft und ich betreibe es relativ rudimentär. An der Pointhütte schloss ich das Rad an und ging zu Fuß weiter.

Spätestens ab hier, war ich allein in der Gegend. Ich stieg zum Himmelecksattel empor. Dabei traf ich auf eine Gruppe von Gämsen, die ich eine Weile beobachtete. Auf dem Sattel machte ich eine kurze Pause in der Sonne. Dann folgte ich einem schmalen Pfad im Gras, auf den Nordgrat des großen Wilden. Der Pfad wurde dann auch recht schnell, recht steil und ausgesetzt. Ausgesetzt ist diese Tour dann generell ab hier. Das steile, allgäutypische Gras, ist schon eine Nummer für sich und mit Vorsicht zu genießen.

Allmählich kam ich an die teilweise brüchigen Felsen. Spätestens hier wurde es mir ein bisschen mulmig. Ausgesetzt und brüchig – na, dass kann was werden. Aber schnell merkte ich, dass hier oben nicht alles brüchig war. Selbstvertrauen brauchte ich aber schon auf dem Grat. Teilweise musste man senkrecht hinabklettern, ohne recht zu sehen, wo die Tritte sind. An mancher Stelle, habe ich gezögert, geprüft und überlegt. Es funktionierte aber alles gut. In solchen Situationen, bin nur ich und der Fels. Alles andere scheint entfernt, weit weg zu sein. Totale Konzentration. Einzig der Gedanke hier komplett alleine zu sein, der schob sich immer wieder in den Vordergrund. Ich hatte mich zwar abgemeldet und man wusste, wo ich bin, aber bis mich jemand finden würde, hier gefühlt 500 Meter senkrechte Wand links und rechts...

hinab

Der Schlussanstieg auf den Nordgipfel, dann über eine plattige Wand, war anregend und gefühlt leichter als die Stellen im Grat zuvor. Das kann aber an der Tatsache liegen, dass aufwärts klettern angenehmer ist, als abwärts. Das abklettern sollte ich eigentlich öfter in Trainings einbauen.

Auf dem Nordgipfel machte ich eine längere Pause, genoss die Stille, die Einsamkeit und die geniale Weitsicht bis locker zur Silvretta. Ich hatte dabei auch das Glück einem Steinadler, beim Kreisen durch die Lüfte, zu beobachten. Die weißen Flecken an den Schwingen des Adlers, waren deutlich zu erkennen. Leider hatte ich nur den kleinen Knipser dabei und mit diesem keine Chance, den Vogel zu fotografieren.

vom Hauptgipfel

Vom Nordgipfel musste ich noch kurz abklettern um zum weniger spektakulären Hauptgipfel zu gelangen. Und dann wählte ich den Abstiegsweg wie im Alpenvereinsführer beschrieben, durch die Gamswanne. Das erwies sich als schwerer als gedacht. Erst musste ich einen passenden Einstieg in das steile Gelände finden. Markiert war hier nichts. Der Abstieg durch das Geröll war unangenehm und mühsam. Der Name der Gamswanne scheint korrekt zu sein. Ich traf hier wieder auf die Gämsen vom Aufstieg. Zumindest glaube ich, dass es die gleiche Gruppe war. Plötzlich trat eine der Gämsen einen großen Stein los, der polternd den Hang herunter sprang. Zum Glück war das noch bevor ich unter den Tieren den Hang queren musste, um das Geröllfeld zu verlassen.

Dann suchte ich mir einen Weg zum Bach. Ich wusste vom Aufstieg, dass der Bach irgendwann den Weg kreuzt. Also folgte ich dem Bach. Dabei fand ich die Überreste einer Gams. Schon eine Wildnis hier. Kurze Zeit später war ich an der Wegkreuzung und konnte nun zügig zur Point Hütte absteigen. Es dämmerte da auch schon langsam. Mit dem Bike fuhr ich dann zackig das Tal hinaus, nach Hinterstein. Es ging ja nur noch bergab und daher echt fix. So kam ich gerade noch mit dem letzten Tageslicht am Auto an.

Eine tolle Tour, mit toller Aussicht und schöner Kletterei. Alleine würde ich diese Tour aber eher nicht mehr machen.

GPX Track:

Tourenbeschreibung auf den großen Wilden:

https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/grosser-wilder-2379m-ueber-nordgrat-zum-hauptgipfel-von-hinterstein/12077363/

Bilder der Tour:

Ein Gedanke zu „Alleine mit dem großen Wilden

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