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Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 1 – Die Ankunft

Hochtouren im Kaukasus - Auf zwei Fünftausender, Kasbek und Elbrus. Auf nach Russland! Tage zuvor habe ich gepackt, umgepackt, neu gepackt... Irgendwie waren alle meine Rucksäcke zu klein. Noch schnell einen Rucksack kaufen? Letztlich den Schlafsack in einem Wassersack am Rucksack festgezurrt, das Zelt im Seilbereich unterm Deckel... Na also, geht doch! Wohlgemerkt 40+10l für 16 Tage! I bims 1 Mann und brauch net viel.

Dies sind meine Notizen, teilweise ausformuliert, teilweise roh, in Logbuchform so erhalten, wie vor Ort aufgeschrieben. Vorhang auf!

08.09.-09.09.2017

Es ist Freitag früh, 08:20 Uhr und der Wecker klingelt. Den letzten Tag wollte ich gemütlich angehen. Mein Bruder besucht mich. Wir frühstücken gemeinsam und gehen dann im nahen Wald spazieren. Wir sehen Rehe. Dann verabschieden wir uns.

Am Nachmittag schaue ich zum letzten mal nach meinen Bienen. Ein Volk ist eingegangen (war absehbar, da es Drohnenbrütig geworden ist). Ich baue es ab und schmelze die bereits leergeräuberten Waben ein. Mehr Arbeit nun doch am letzten Tag, als erhofft. Aber so stehen lassen kann ich das auch nicht für die nächsten zweieinhalb Wochen.

Mein Flug geht spät und von Frankfurt. Von Minute zu Minute merke ich, wie ich nervöser werde. Als ich dann in Stuttgart im ICE sitze, fällt das aber schnell wieder ab. Wird schon alles klappen.

In Frankfurt steige ich in einen Bus zu Terminal 2. Ich verpasse aber den Moment des Ausstiegs und muss eine ganze Runde weiter fahren. Typisch. Aber als ich dann am Terminal bin, läuft's relativ geschmiert - spätestens nach der langen Schlange zum Einchecken.

Auf dem Flug nach Moskau lese ich. Ich kann nicht schlafen - noch zu früh. In Moskau muss ich umsteigen. Aber leider mit 4h Wartezeit. Schlafen kann ich nicht. Es ist zu hell, dann zu viel Trubel im Flughafen. Als ich endlich im Flugzeug nach Mineralny Wody sitze, schlafe ich sofort ein. Ich verpasse das Frühstück und die Getränke - wache erst kurz vor der Landung wieder auf. Aus dem kleinen Flugzeugfenster kann ich kurz den Elbrus und den Kaukasus sehen, bevor wir zur Landung ansetzen.

Es ist ziemlich warm hier im Kaukasus, so geschätzt 26°C. In Moskau waren es hingegen nur 11°C und es war regnerisch.

Ich werde am Flughafen in Mineralny Wody abgeholt und nach Pjatigorsk in ein Hotel gebracht. Der Elbrus kommt auf der Fahrt öfter mal ins Blickfeld. Was für ein mächtiger, freistehender Vulkan!

Elbrus

Im Hotel will ich erstmal schlafen, bin total fertig nach dieser fast schlaflosen Nacht. Vom Balkon meines Zimmers, kann ich den Elbrus sehen. Ich gebe Meldung an die Homebase und ins Social Network. Angekommen.

Am Nachmittag bekomme ich ein Stadtführung von Iris und Alexios durch Pjatigorsk mit einigem geschichtlichen Hintergrund. Mit den beiden verbringe ich meine nächsten 16 Tage. Wir trinken Kaffee in einem historischen Kaffeehaus. Für ein Teetrinkerland, was Russland ist, sogar ein sehr gutes. Im weiteren Tagesverlauf trinke ich zum ersten mal in meinem Leben "Kwas". Das ist ein bierähnliches Getränk aus vergorenem Brot. Der Alkoholgehalt ist sehr niedrig und es ist sehr erfrischend. Man kann es überall am Straßenrand kaufen.

Kwas

Pjatigorsk ist eine sehr grüne Stadt. Es kommen ringsum einige Quellen aus dem Boden, die für ihre Heilkraft berühmt sind.

Mein Abendessen nehme ich dann alleine im Hotel zu mir. Dort im siebenten Stock, so erzählt man mir, soll eine korpulente Dame sein, die gut kochen kann und dort eine kleine Kneipe unterhält. Als ich eintrete, läuft auf dem kleinen Fernseher in der Ecke, "Starwars" in voller Lautstärke. Die Dame sitzt alleine da. Wir versuchen zu kommunizieren. Ich verstehe kaum ein Wort und sie kaum eins von meinen Worten. Aber mit "Händen und Füßen" und einem Gemisch aus englisch und russisch, können wir uns dann doch irgendwie verständigen. Sie verschwindet in ihrer Küche. Ich lasse mich überraschen, was nun tatsächlich kommt - schaue derweil Starwars auf russisch: Han Solo: "Na svidanja!" - es folgt eine Salve Laserstrahlen - und werde dann mit klassischer Roter Beete Suppe, Salat und Hühnchen gespeist.

10.09.

Nach dem reichhaltigen russischen Frühstücksbuffet im Hotel gingen wir, zu zweit - Iris und ich, hinauf auf den Maschuk. Das ist ein kleiner erloschener Vulkan, der sich

Bestau

direkt am Rand von Pjatigorsk - zu deutsch "Stadt der fünf Berge", erhebt. Der Name kommt jedoch vom fünfgipfeligen Berg gegenüber dem Maschuk, dem Beshtau. Das bedeutet "Besh" fünf, "tau" Berg in einer Turksprache soweit ich weiß.

Oben auf dem Maschuk waren wir schnell und genossen die Aussicht über die Stadt, bis zum Kaukasus Hauptkamm und dem Elbrus. Da wir bis zum Abend Zeit hatten, ließen wir's locker angehen. Oben ist ein Restaurant, da kann man gut draußen sitzen und in die Landschaft schauen und dem Treiben der Menschen zuschauen... Das machten wir eine Weile.

Der Abstieg war dann noch schneller. Dann ging es zurück in die Stadt, vorbei an Mineralquellen. Diese probierten wir, denn anscheinend wird man hundert Jahre alt, wenn man diese Gewässer trinkt. Geschmeckt hat das mehr oder weniger, je Quelle mal gut oder auch nicht so sehr. Reich an vulkanischen Sulfaten, war's definitiv.

Während wir herumwanderten, kaufte Alexios die Lebensmittel und Gaskartuschen für die kommende Tour. In der Zwischenzeit ist noch ein weiterer Teilnehmer angekommen. Ich nenne ihn mal J2.

Am Abend checkten wir noch die Ausrüstung und ich packte meinen Rucksack für den Kasbek. Und dann ging ich mit J2 noch einmal in die Stadt um Wasser einzukaufen. Wir fanden ein Einkaufszentrum, aber den Weg zum Hotel nicht mehr. Nach einer Weile des "in die falsche Richtung laufens", merkten wir das dann auch. Eine junge Frau zeigte uns auf ihrem Smartphone wo's langgeht. Es lebe die Informationstechnologie ;-).

Morgen geht's früh los zum Fuße des Kasbek...

Bilder aus Pjatigorsk:

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2 Gedanken zu „Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 1 – Die Ankunft

  1. conny

    Hallo Joe,

    interessant aus deinem "Logbuch" lesen zu können.
    Da wäre ich auch aufgeregt gewesen. Gerade wenn man allein startet, Hab ich auch nichts vergessen, werde ich alle Termine einhalten können?. Und wenn man dann endlich da ist, fällt einem schon mal der Anreisestress ab. 🙂

    Der Elbrus ist schon sehr dominant, wie man auf deinen Fotos sehen kann. Hab kurz im Netz gesurft, 5.600 Metern ragt er in die Höhe.
    Bin gespannt wie die nächsten Einträge sind, wenn die Expedition zum Berg beginnt. 🙂

    LG Conny

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