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Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 2 – Zum Kasbek Basecamp

Heute fahren wir ein paar Stunden lang von Pjatigorsk nach Wladikawkas in das Kaukasus Gebirge und dort ins Genaldonskoe Tal. Gefahren werden wir von Andrej, mit seinem alten Lada. Das Ziel ist das Basecamp des Kasbek, an den Thermalquellen.

11.09.

An jeder Grenze zwischen den Autonomieregionen der russischen Föderation, werden wir vom Militär gebeten anzuhalten. Wir müssen dann jedesmal aussteigen, in ein Grenzhäuschen gehen, durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen treten und dann den Beamten unsere Pässe und Registrierung zeigen, Fragen beantworten... Verstärkt in der Nähe zu Tschetschenien. Das kostet sehr viel Zeit.

Unterwegs essen wir irgendwo am Straßenrand, gegrilltes Hühnchen mit ordentlich viel Zwiebeln und einer Art Tsatziki mit Fladenbrot - mit den Fingern, aus einem gemeinsamen Topf.  Zwiebeln und Knoblauch - von den einen gehasst, von den anderen geliebt 😉

Gestärkt kommen wir in Wladikawkas an. Dort müssen wir die Grenzgebietsausweise abholen. Wieder ist langes Warten angesagt. Letztlich halten wir aber den Ausweis in Händen und können weiter. Der Grenzgebietsausweis wird benötigt, um das Gebiet zwischen Tschetschenien, Nordossetien und Georgien, betreten zu dürfen. Genau in dem Gebiet, auf der Grenze steht der Kasbek. Über ihn verläuft die Grenze der russischen Föderation zu Georgien.

Unser Fahrer bringt uns letztlich im Genaldontal auf einer wilden Schotterstraße ein Stückweit hinauf. Soweit eben mit einem PKW gefahren werden kann. Nach mehrmaligem Aufsetzen in riesigen Schlaglöchern, entscheiden wir, zu Fuß weiter zu gehen.

Wir verpassen eine Kreuzung auf der Schotterstraße und steigen daher wild durch die steilen Hänge, durch Gestrüpp und lockeren Schotter, um zum richtigen Pfad zu gelangen. Wir müssen nämlich unbedingt einen Grenzposten passieren, an dem wir dann mit dem Grenzgebietsausweis "eingecheckt" werden. Als wir an diesem Posten sind, der mitten im Gebirge steht, müssen wir abermals die Pässe und den Grenzgebietsausweis und die Registrierung zeigen. Dieses ganze Procedere kostet unheimlich Zeit.

Letztlich wird es allmählich auch dunkel, als wir auf dem Weg zum ersten Biwakplatz sind. So erreichen wir den Biwakplatz nicht mehr. Beim letzten Sonnenstrahl steht dann auch mein Zelt am Wegesrand, zwischen Hang und Gestrüpp. Wasser haben wir hier keins. Also muss das auch noch geholt werden, damit wir uns etwas kochen können und was zu trinken haben. Während die zwei Männer, Alexej und J2, Wasser holen, beobachte ich mir Iris den erstaunlich starken Sternenhimmel, der mittlerweile erschienen ist und plaudern über die Schönheit unserer Natur. Apropos Wasser: Es gibt hier immer wieder Quellen, die mehr oder weniger gefasst und trinkbar sind...

Nach dem Essen gehen wir gleich schlafen. Ich teile mein kleines Zelt mit dem großen J2. Das ist eng. Das ist ungemütlich und beklemmend.

12.09.

Das Ziel zu Lager 1 an den Thermalquellen auf 2400m, haben wir gestern nicht geschafft. Heute früh nach einem schnellen Frühstück, Zeltabbau und packen, gehen wir los zu den Thermalquellen. Ich bin in eineinhalb Stunden dort, setze mich auf einen großen Stein und warte in der warmen Mittagssonne auf die anderen, baue mein Zelt auf und lege meinen Schlafsack in die Sonne zum trocknen.

Snack

Jetzt ist auch eine gute Zeit, das ganze Essen mal zu sortieren, das Alexej eingekauft hat. Was nehme ich die kommenden Tage mit, was bleibt hier für die Rückkehr, was gibt's heute...

Es ist sonnig und sehr warm. Heute soll ein Akklimatisationstag sein. Wir werden später mal schauen, wie wir dieses Jahr auf den Gletscher kommen. Im letzten Jahr war's noch ein wenig anders. Auch hier sind die Gletscher vom Schmelzprozess der Erderwärmung betroffen. Schon von weitem, von meinem Stein, sieht man dass alles ausgeapert ist.

Während ich das hier schreibe, kommen zu mir zwei Russen die hier auch campieren und schenken mir Schokolade zur Begrüßung. Wie nett - Ich als Schokoladenjunkie, freue mich da doppelt :-).

heiße Quelle

Dann ist's aber auch mal Zeit, die Thermalquellen auszuprobieren. In unmittelbarer Nähe zum Biwakplatz kommen heiße und kalte Mineralquellen aus dem Hang. Die heiße fließt in vier menschgemachte Becken. Direkt neben der heißen, schwefligen Quelle, entspringt eine trinkbare salzige, erfrischend kalte und eine nicht salzige und trinkbare Quelle aus dem Berg. Bei der Mittagshitze ist es mir ein wenig zu warm in dem Wasser. Es hat so 40 °C im Wasser und in der Luft bestimmt auch 28-30 °C. So halte ich das nicht lange aus :-).

Es ist jetzt 12:37 Uhr und erstmal ist eine Kaffeepause angesagt. Heut ist irgendwie viel Pause, hab ich das Gefühl. Naja ist ja auch Urlaub! Aber danach gehen wir schon noch auf den Gletscher und suchen den Übergang zum Fels.

Kupferhaltige Quelle

Um 16:00 Uhr bin ich zurück von der Erkundungstour. Zu erst waren wir noch an einer weiteren Mineralquelle an der Moräne. Diese schmeckt übel nach Eisen und dort wo diese austrat, war das Gestein auch entsprechend verfärbt. Den Übergang haben wir gefunden. Über die Moräne auf den Gletscher. Dort rechts haltend an dem Wassergraben entlang, oberhalb hinüber. Auf die Moräne kommt man über eine wackelige Stahlseil Brücke, über den reißenden Gletscherbach.

J2 war nicht dabei. Offensichtlich geht's ihm nicht gut oder er ist nicht vorbereitet. Am ersten Tag hatte ich schon so ein Gefühl. Die zwei anderen sind auch noch nicht da. Ich sehe sie von weitem die Moräne langsam absteigen. Von mir aus kann's dann jetzt Abendessen geben.

Es ist 18:42 Uhr, es ist bereits dunkel, alle sind im Zelt - ich nicht. Alexej hat wegen J2 den Fahrer auf einen Tag später bestellt. Weil er davon ausging, dass wir unter diesen Umständen morgen nicht das Lager 2 auf 3500m erreichen würden. Auch weil unklar ist, ob weiter oben Mobilfunkempfang vorhanden ist und unser Fahrer Andrej im Zweifel am vereinbarten Rückkehrtag (19.09.) die Bergrettung ruft, sollten wir nicht da sein. Ich bin es gewohnt, dass nicht alles nach Plan verläuft - solange meine Folgeplanung nicht gefährdet ist, passt das für mich.

Ich warte noch eine Weile, bis die Sterne rauskommen. Ich möchte versuchen, die Sterne zu fotografieren. Das dauert noch eine Weile. Morgen geht's um 8 Uhr los zu Lager 2.

Bildergalerie zum Basecamp:

2 Gedanken zu „Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 2 – Zum Kasbek Basecamp

  1. Oliver

    Hi. Nächstes mal komme ich mit zum Elbrus ;D Das ist ja nicht nur eine tolle Gegend, um Bergsteigen zu gehen, sondern auch zum Fotos machen. Das Bild, wo der Weiße Berg über dem Dunklem Tal ist, finde ich besonders schön
    Lg
    Oliver

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    1. Joe Stiegler

      Hallo Oliver,

      das ist in der Tat eine tolle Gegend für Fotos und zum Bergsteigen. Danke fürs Bilderlob.

      LG Joe

      Antworten

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