Eine Woche französische Alpen, Dauphiné, Ecrins Nationalpark

Fünf Tage Urlaub nehmen, sieben Tage ins Dauphiné gehen - Touren in den südwestlichen französischen Alpen, im Ecrins Nationalpark.

Le Rateau Westgipfel

Eine Woche mit bestem Bergwetter, Gipfelglück, langen Anstiegen und noch längeren Abstiegen, süd-französischem Flair und etwas Kultur.

Tag 1:

Nachts um 3:30 Uhr startete ich zuhause an unseren alpenvereinsüblichen Treffpunkt an der Autobahn. Dort traf ich mich mit Myri, Moni und Stefan zur Fahrgemeinschaft. Wir gingen es gemütliche an, diese lange Fahrt nach Briançon. Wir machten mehrere Pausen und schauten unterwegs das ein oder andere Sehenswerte an, machten Fotos auf dem letzten Pass, mit Blick auf den Barre de Ecrins und die Meije, über das ganze Ecrins Massiv. So übersteht man die 760 Kilometer deutlich angenehmer.

In Briançon waren wir auf einem Campingplatz. Nach der Ankunft wurden zuerst die Zelte für die nächsten beiden Nächte aufgebaut. Dann noch Essen und Getränke für die Tage eingekauft, die Altstadt mit den ehemaligen militärischen Befestigungsanlagen besichtigt und ebenda gegessen. Auf dem Campingplatz ließen wir den Abend ausklingen und planten die Tour für den nächsten Tag.

Tag 2:

Wir starteten nach dem Frühstück (französische Baguettes und Croissaints mmhhhh 🙂) die Tour auf den Pic du Lac Blanc, 2980m. Bei der Tour kommt man direkt an den beiden schönen Bergseen Lac Laramon und Lac du Serpent vorbei. Die Seen laden zum Verweilen ein. Noch ein See tritt spätestens auf dem Grat in Erscheinung: Der Lac Blanc. Man hat dann einen Wunderbaren Ausblick, auf's ganze Ecrins Massiv, die Meije, auf der anderen Seite bis zum Mont Blanc und sogar den Dent Geant sieht man. Über den Süd-Ost Grat gelangt man durch nette Blockkletterei zum Gipfel und über den Westgrat in noch schönerer Blockkletterei hinab. Nach fünfeinhalb Stunden, 14 Kilometern und 1100 Höhenmetern im Auf- sowie im Abstieg kamen wir wieder unten an und genossen dort in einer Alm noch ein Omelette. "Wie, ihr wollt jetzt schon was essen?", fragte die Wirtin verdutzt. Unsere Mägen kannten die späte französische Essenszeit nicht ;-).

Tag 3:

Wir trafen Thomas und Franz in Ailefroide. Von dort stiegen wir alle gemeinsam zum Refuge Pelvoux, 2700m auf. Der wolkenlose Himmel ließ uns schwitzen, die Sonne brannte auf uns nieder. Nach guten dreieinhalb Stunden und 1183 Höhenmetern kamen wir dort an. Es war dann noch genügend Zeit um draußen in der Sonne zu sitzen und einfach mal nix zu tun, bevor es dann ans Abendessen ging (Lasagne :-)). Danach auch bald ins Bett. Wir mussten früh aufstehen...

Tag 4:

Der Wirt, ein geborener Komiker, weckte uns um 4:00 Uhr. Um 05:00 Uhr gingen wir etwa los. Über die Moräne hinter der Hütte und zwei steilen Schneefeldern gelangten wir zu einem Felsaufschwung, den wir in leichter Kletterei ersteigen. So kamen wir bei etwa 3220m an den Anseilplatz vor dem Gletscher. Ab da begann der eigentliche interessante Aufstieg auf den Mont Pelvoux, 3946m durch eine 45° steile, steinschlaggefährdete Rinne. Die Bedingungen waren perfekt, komplett guter Firn bis oben hin. Wir kamen gut voran. Es waren einige Seilschaften unterwegs. Davon wir allein schon in 2x 3er Seilschaften. Dann über mir - Steine im Anflug.

Gipfelglück

Ob losgetreten von vorausgehenden Bergsteigern oder nicht, vermag keiner mehr zu sagen und es erscheint auch

nicht wichtig. Ein Stein raste knapp an meinem Gesicht vorbei, er rotierte um seine eigene Achse und ich spürte den Luftzug, hörte dieses unheimliche, von der Rotation ausgelöste Geräusch. Ich sah ihn erst sehr spät auf mich zu kommen, weil die anderen riefen und mich so warnten. Ein sehr beklemmendes Gefühl kam in mir auf, als ich realisierte was passierte. Das hätte für mich böse enden können. Manche meiner Mitbergsteiger wurden von kleineren Steinen an Bein und Hand getroffen. Ich hatte großes Glück. Zum Glück ist niemandem etwas schlimmeres passiert.

Oben raus wurde es flacher und der Gipfel war dann über einen kurzen Grat bald erreicht. Nach etwa vier Stunden und 1200 Höhenmetern standen wir auf dem Gipfel. Wieder ein wunderbarer Rundumblick. Ein wahrlich schöner Berg, der Mont Pelvoux.

Der Abstieg durch die Rinne gestaltete sich aufgrund langsameren Seilschaften vor uns, als ein Geduldsspiel. Überholen konnte man nicht wirklich, sonst kam man in den Steinschlaggefährdeten Bereich. Risikoreiche Manöver braucht man auch nicht wirklich, schon gar nicht, wenn man die unsichere Seilschaft vor sich nicht stressen will. Rücksichtnahme ist Ehrensache. Geduld ist eine Tugend.

Zurück an der Hütte machten wir nochmal eine Pause, packten unsere restlichen Sachen in die Rucksäcke und stiegen dann komplett ins Tal ab.

Nach 1200 Höhenmetern im Aufstieg und 2400 Höhenmetern im Abstieg fuhren wir zum Col de Lautaret und blieben dort in einem sehr netten und einfachen Hotel über die Nacht. Auch hier gab's tolles Essen von sehr netten Gastgebern.

Tag 5:

Aufstieg zum Refuge de la Selle, 2673m. Eine kleine, architektonisch nicht schöne, aber von zwei sehr netten jungen Damen, geführte Hütte.

Tag 6:

Wir planten den Le Rateau Ostgipfel, 3809m zu besteigen. Nachts um 03:00 Uhr sind wir aufgestanden und haben gefrühstückt *gähn*. In der Dunkelheit gegen 04:00 Uhr, bei untergehendem Vollmond, gingen wir los. Über die Moräne auf den weit abgeschmolzenen Gletscher. Über diesen zu einer Scharte und diese im Einstieg brüchig und in UIAA III Kletterei hinauf bis zum Pointe Trifide. Dann in UIAA II Kletterei auf und über den Grat. In sehr anregender Kletterei zum Le Rateau Westgipfel, 3769m. Hier war dann aber leider Endegelände. Es war 09:30 Uhr und 10:00 Uhr war unsere Deadline. Und das, obwohl wir so früh aufgestanden sind. Machte mir aber nichts aus. Die Aussicht auf die Meije war von hier grandios. Auch auf den Barre de Ecrins.

Ein Bergführer ist dort auch mit seinem Clienten umgekehrt und riet uns das selbe zu tun. Das folgende steile Firnfeld nach dem Westgipfel ist um diese Uhrzeit bereits viel zu weich und spätestens im Abstieg, wäre es dann problematisch. Also machten wir eben dort auf dem Westgipfel unsere Gipfelpause und kletterten dann den Grat zurück zu der Scharte. Ab da seilten wir auf den Gletscher ab und marschierten zurück zur Hütte.

Tag 7: Abstieg zum Auto und Heimfahrt im Regen. Das erste mal Regen in der ganzen Woche. Aber erst so richtig, als wir am Auto waren 🙂

Resümee: Eine grandiose, erholsame Woche mit vielen tollen Eindrücken und tollen Menschen, sowie vielen Höhenmetern. Das Dauphiné ist eine Gegend, in der ich gewiss nicht das letzte mal gewesen sein werde. Eine wilde Schönheit.

Bilder der Tour:

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