Hochtour auf’s Aletschhorn (4193m)

Das verlängerte Wochenende um den Feiertag am 15.06.2017 bis zum folgenden Sonntag hatte ich mir schon längst für eine Eingehtour zum Saisonstart eingeplant.
Aber was genau habe ich mal offen gelassen - bis mich kurz vorher Andi, ein Bekannter mit dem ich dann und wann auf Hochtouren war, anschrieb, wie denn meine diesjährigen Bergpläne wären und ob ich denn Zeit für eine Tour hätte.
Dieses verlängerte Wochenende passte dann bei uns beiden. Ein kleines Wunder, wenn ich meinen Terminkalender anschaue...

Wir überlegten, was denn für den  Saisonstart machbar wäre. Für uns war's die erste Hochtour in dieser Saison.
Zu erst überlegten wir, etwas im Monte Rosa Massiv zu machen. Jedoch waren da noch die Hütten geschlossen und einige Gipfel, haben wir dort auch schon abgevespert.
Als ich so über die Winterräume nachdachte, fiel mir dann das Aletschhorn mit dem Mittelaletschbiwak ein und ich schlug es vor - ein Berg, den ich schon öfter von anderen Gipfeln aus sah und der mich schon lange reizte.

Also einigte wir uns darauf und planten die Tour, die Verpflegung, was brauchen wir, wer bringt was mit, usw...

Mir war bewusst, dass dies eine sehr lange Tour werden wird und ich hatte noch nie einen 4000er zum Saisonstart gemacht. Aber warum nicht probieren?

Am Feiertagmorgen um 4 Uhr trafen wir uns an der A8 und fuhren zusammen in ca. 4,5h nach Fiesch in der Schweiz. Die Tour starteten wir an der Fiescheralp, zu der wir mit der Seilbahn auffuhren. Ich bin zwar kein Fan von Seilbahnen, aber in diesem Fall, mit der darauffolgenden Tour, kann ich das nur empfehlen. Was dann folgt, ist ein mühsamer, langer Hatscher bis zum Biwak.

Der große Aletsch

Vom der Fiescheralp führt ein breiter Weg zu einem Tunnel. Durch diesen hindurch erreicht man die Gletscherstube. Zu der Zeit war diese noch geschlossen.
Dann führt ein Wanderweg hinab zum großen Aletschgletscher. Die Aussicht ist jetzt schon cool und wird bald grandios.
Die Überquerung des Gletschers habe ich mir immer etwas schwer vorgestellt, so auch diverse Erzählungen. Aber wer weiß, wo die gingen. Ich hab das jedenfalls zackig geführt und einen einwandfreien Weg durch das Spaltenlabyrinth gefunden.
Im Prinzip gingen wir vom Anseilpatz in einem leichten Rechtsbogen auf das gegenüberliegende Firnfeld zu.

Der Ausblick auf dem großen Aletschgletscher ist sehr imposant. Auf der einen Seite Mönch und Jungfrau, auf der anderen Seite die ganz großen wie Weißhorn, Matterhorn, Dom, Täschhorn, Monte-Rosa...

Man kommt dann auf der anderen Seite auf der Moräne heraus. Und auf dieser geht's dann weiter nach links/Westen in das Tal des Mittelaletschgletschers. Steinmännchen wollen gefunden werden und markieren den Weg. Am besten weiter oben bleiben, nicht zu weit absteigen. Das muss man nämlich alles wieder hoch ;-).

Irgendwann fängt dann auch ein Wanderweg an. Ein riesiger Steinmann mit Skelett-Steinbockschädel steht imposant in der Gegend.
Der Wanderweg hört aber irgendwann auf, wegen einem Bergrutsch. Man geht am besten schnell auf den schuttbedeckten Gletscher, mittig, und geht über diesen weiter. Aber Firn nutzen, so lange es geht, lohnt sich! Es fängt kurz an zu Tröpfeln. Aber wirklich nur kurz. Eine kleine und notwendige Abkühlung in der Hitze.

Es wird bald steil und dazu kommt die sandige und geröllige lose Schicht über dem Eis. Da geht's teilweise nur mit den Frontalzacken der Steigeisen weiter. Jedenfalls sind wir links des Gletscherbruchs aufgestiegen. Wir sind aber im Aufstieg zu schnell nach rechts abgebogen und waren dann mitten in der Spaltenzone.
Auch da hab ich einen guten Weg hinüber gefunden. So kommen wir nach 8-9h an den Felsen an, von wo man in wenigen Minuten das Mittelaletschbiwak erreicht. Das Biwak sieht man ja schon von weitem und das finde ich ja immer eine extra Quälerei, wenn man ewig nicht näher kommt, obwohl man läuft und läuft und läuft...

Das Biwak haben wir für uns alleine. Es sind zwar noch zwei weitere Menschen da, aber die schlafen draußen unter ihren Tarps.

Mittelaletschbiwak

Gekocht haben wir am Abend dann Nudeln mit selbstgemachtem Pesto. Das Pesto habe ich aber von zuhause mitgebracht.
Wasser kann man am nahegelegenen Bach holen. Dort kann man sich auch waschen und die Zähne putzen.

Zutaten Pesto:

50g Walnusskerne, leicht anrösten
25g Petersilie
2 Knoblauchzehen, grob gehackt
50g geriebener Pecorino
Alles zerkleinern (Handmixer reicht) und Olivenöl hinzu kippen.

Zum kochen und Essen hatte ich meine Daunenjacke an. So kalt ist es geworden. Ich friere normalerweise nicht schnell. Am kältesten Berg der Alpen friere ich aber offensichtlich schneller ;-). Wir fielen nach dem Essen dann schnell ins Schlafgemach. Wir wollten um 4 Uhr aufstehen.

In der Nacht hat es gewittert. Ich war um 1 Uhr mal kurz vor der Tür und sah es ringsum Blitzen. Anfangs war mir ziemlich warm mit zwei Decken im Biwak, aber irgendwann war mir dann kalt, was für den Schlaf nicht gerade förderlich ist.

Um 4 Uhr war noch immer Donnergrollen zu hören und so drehten wir uns noch einmal herum - so bis 5:30 Uhr.
Nach dem Frühstücken und Tee kochen, gingen wir dann los. Die Nacht war offensichtlich so warm, dass der Firn nicht durchgefroren war und wir mussten komplett auf dem ganzen Weg die Spuren legen.  Laut Hüttenbuch waren eine Woche vor uns schon Menschen aufgestiegen. Davon konnte man aber nichts mehr sehen.

So stapften wir hinauf zum Joch, noch im Schatten. Es wird allmählich steiler, dann mal wieder flacher und am Ende queren wir den steilen Hang bis zum Joch. Dort am Ende fast senkrecht hinauf. Auf der Nordseite auf dem Joch angekommen war der Firn deutlich gefrorener. Der Ausblick einzigartig grandios! Von links nach rechts, soweit das Auge reicht, der scharfe Grat zum Aletschhorn (dies in einer Wolke), das Mittaghorn, die Ebnefluh, Gletscherhorn, Jungfrau, Mönch, Eiger, Fiescherhörner, Grünhorn, Finsteraarhorn und viele weitere bekannte Gipfel.

Über den Grat gingen wir dann weiter, meist im Firn, selten und kurz über Fels.
Dann zog ein starker Wind auf und ringsum quellten die Wolken. Eine Kaltfront kam auf uns zu, wuchs zusehends.
Wir gingen aber erstmal weiter. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Aber der Wind wurde stets stärker, die Quellung hörte nicht auf, alles kam näher.
Der Wind war so stark, dass unser Seil waagerecht in der Luft stand, der Pickel nicht mehr senkrecht in der Hand hing. Der Wind warf uns beim gehen aus der Bahn, eher ein Torkeln, als ein Gehen. Steil ging es noch etwas hinauf.
Kurz unterhalb des Vorgipfels des Aletschhorns entschieden wir den Rückzug einzuleiten.

Die Kommunikation dazu, war schwer. Der Wind so laut, dass rufen nichts half. Zeichensprache war notwendig. Vielleicht sollte man da ein paar Zeichen verbindlich vereinbaren. Ähnlich wie bei Kletterkommandos. Das würde die Abstimmung beschleunigen.

Wetter

Mir ging nur eins im Kopf herum: Im Gewitter mit Steigeisen und Pickel, extremer Wind auf dem Grat... Das war mein Abbruchgrund.

Ich führte dann hinab zum Grat und über diesen zum Joch. Ab dem Grat war der Wind dann nicht mehr spürbar, wir waren im Windschatten. Der Firn war jetzt sehr weich und nicht gesetzt. Die obere Schicht rutschte ständig weg. Langsam und mühselig spurte ich den Grat, obwohl Andi im Aufstieg bereits gespurt hatte.
Unterhalb vom Joch machten wir eine Pause. Es wurde merklich wärmer, gar heiß. Die dunklen Wolken zogen ab. Mist, auf's falsche Pferd gesetzt! Aber Sicherheit geht vor - was blieb mir übrig? Es ist einfach nur eine 50/50 Chance...

So waren wir um ca. 15 Uhr zurück am Biwak. Eine wirklich schöne Tour, auch ohne Gipfel. Ich bereue den Abbruch der Tour nicht.

Nach einem kleinen Mittagschlaf kochten wir uns Bulgur mit Zucchini.

Rezept für zwei hungrige:

250g Bulgur
0,3l Wasser
2 mittlere Zucchini, klein geschnippelt
Salz, Curry Madras, Tikka Masala, roter Thai Curry, Kreuzkümmel

Alles in einen Topf und 10 - 15 Minuten kochen. Dann und wann das Rühren nicht vergessen. Die Gewürze habe ich zuhause schon gemischt und abgefüllt.

Das Biwak teilten wir an diesem Abend und der Nacht mit den beiden, die die letzte Nacht draußen schliefen. War wohl doch nicht so gemütlich draußen 😉

Nächster Morgen

Am Samstag war herrliches Wetter. Das wäre der perfekte Gipfeltag gewesen. Wir stiegen aber ab.
Der Abstieg war nochmals mühsam. Erst in einem weiten Bogen an der Spaltenzone vorbei, soweit hinab im Firn wie möglich und dann im sandig, gerölligen Steileis hinab, teils rückwärts auf Frontalzacken und mit Pickelstütz. Die Angelegenheit war sehr rutschig.
Dann wieder im Firn weiter, so weit möglich. Und über den, mit Steinen übersäten Mittelteil, dann ohne Steigeisen weiter. Dann erreichten wir den Wanderweg wieder. Wir fanden aber nicht mehr genau den Einstieg auf die Moräne, wie wir vor zwei Tagen kamen. Deshalb stiegen wir zu weit ab und mussten wieder ein Stück hinauf. So schlimm war das aber auch nicht. Immerhin konnte man von unten die imposante Höhe des großen Aletsch sehen.

Ich fand dann doch noch unsere Spuren vom Aufstieg und somit auch bald den Einstieg auf den großen Aletsch. Da führte ich wieder auf bestem Weg und hoher Geschwindigkeit hinüber. Das lief beide Male perfekt. Kein Suchen, kein herumgeirre.

Auf der anderen Seite lösten wir die Seilschaft, Steigeisen und Pickel wurden verstaut und dann ging es den Wanderweg zurück wie gekommen. Im Bach wusch ich mein Gesicht und die Haare, neben skeptisch schauenden Zuschauern. Es war so elendig warm und die Abkühlung war nötig:-)
Wenn ich mich recht erinnere, waren wir nach etwa acht Stunden Abstieg an der Fiescheralp im Touristengewimmel. Die Leute rochen extrem nach Duschgels, Parfümen und Deodorants. Ich weiß nicht, wie wir rochen, wenn wir das so extrem wahrgenommen haben 😛

Fazit:

Die Tour ist sehr lohnend und imposant. Sie ist lang und teilweise mühsam. Man befindet sich im Hochalpinen Gelände, wo der Orientierungssinn dauernd gefragt ist.

Bilder der Tour:

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