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Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 3 – Kasbek Camp II und Camp III

Nun startet die Tour zu den nächsten beiden Lagern. Diese befinden sich in 3500m, dem mittleren Camp und 4200m, dem Sturmlager. Wieder zwei Tage aus dem Logbuch.

 

 

13.09.

Es ist 07:30 Uhr. Ich habe schon alles gepackt und gefrühstückt. Wir wollen gleich los zum nächsten Camp.

J2 hat gerade offenbart, dass er nicht mitkommt und alleine absteigen möchte. Eine kurze Diskussion und Beratung über das Vorgehen entfacht. Was machen wir jetzt, Tour abbrechen? Er könnte auch hier warten, ich würde ihm mein Zelt lassen und Essen haben wir ja auch genug. Wir wollen nicht, dass er alleine umherwandert. Am Camp I wäre er auch nicht alleine. Außerdem steht er mit auf unserem Grenzgebietsausweis. Aber er will partout auf eigene Faust absteigen, auch ohne Grenz-Papiere, nicht bereit um zu diskutieren. Er nimmt das Risiko auf sich. Alt genug, da kann man nix machen.

Naja dann habe ich wenigstens mein Zelt für mich alleine. Ich hätte ihn ehrlich gesagt heute Nacht schon am liebsten rausgeworfen. So unruhig, herum nestelnd. Nervtötend. Jetzt weiß ich aber vermutlich auch warum so nervös... In Menschen hinein gucken kann man nicht, aber man spürt schon, wenn was nicht stimmt. Es tut mir ja auch leid. Da nimmt man sich so eine Tour vor und muss so schnell abbrechen - warum auch immer. Er wird's hoffentlich wissen. Teilhaben lassen, hat er keinen von uns. Da kannst du dann halt auch nix machen.

Da waren's nur noch drei. Das Wetter ist Top. Etwas Wind aber keine Wolken. Los geht's...

17:25 Uhr: Wir sind seit etwa einer Stunde an Lager II auf ungefähr 3500m angekommen. Mit uns ist eine Militärtruppe der Tschetschenen hier. Die Zelte stehen schon und Wasser habe ich auch schon geholt. Dazu musste ich ein bisschen aufsteigen und in eine Rinne queren, in der Schmelzwasser hinabrauscht. Dort war auch eine Gelegenheit sich ein bisschen zu waschen, da man die Rinne vom Lager nicht einsehen konnte. Das Wasser war natürlich zur Körperpflege viel zu kalt. brrr. Da belasse ich das dann gern beim nötigsten.

Der Aufstieg zum Lager war teilweise interessant - erst über die Gletschermoräne, dann auf den Gletscher, diesen gequert, noch ein bisschen absteigend, um riesige Spalten herum, erreichten wir den Felseinstieg. Dort geht's an Fixseilen und Stahlseilen gesichert, oder auch nicht, hinauf. Vielleicht UIAA I-II. Da hatte ich nicht das Bedürfnis mich zu sichern. Gries, Schotter, Blockwerk und Fels wechselten sich ab. Mal fest, mal locker.

Heute war es verdammt heiß, aber sobald die Sonne weg ist, wird's auch sofort sehr kalt. Hier von Lager II habe ich einen tollen Blick auf den langen und zerrissenen Gletscher und in's ganze Genaldon Tal. Die Sonne ist schon lange hinter den Bergen verschwunden. Nur der Gipfel des Majlihoh ist noch erleuchtet. Ich sitze gerade vor meinem Zelt, werde demnächst wahrscheinlich hinein liegen. Habe zweimal gekocht, denn beim ersten mal ist mir der Topf vom Kocher gerutscht. Gut für etwaiges Getier. Und die Bestätigung, dass ich mir was neues kaufe. Was standhafteres.

18:47 Uhr: Ich sitze jetzt im Zelt und bin müde. Der Abendhimmel war sehr schön, wie ein Regenbogen, dann rosafarben. Hatte aber leider die Kamera schon weggepackt.

19:00 Uhr: Ich lege mich mal in meinen viel zu warmen Schlafsack.

14.09.

Biwak am Berg Osh (4271m), dem Berg der Eisenbahner.

Ich habe relativ gut geschlafen. Aber ich bin ab und zu aufgewacht, weil es sich so anhörte, als ob jemand um mein Zelt schleicht. Das war der Wind, wie ich dann herausgefunden habe.

Um 08:00 Uhr gingen wir los. Über steile Schotterhänge zu Lager III auf 4200m. Wir erreichen Lager III um ca. 12:30 Uhr. Ab 4000m wurde es merklich anstrengend.

Der Zeltaufbau war mega anstrengend - die Luftmatratze aufblasen dann erstrecht. Bei jedem Bücken zum Zelt abspannen, spürte ich wie mein Kreislauf absackte. Ich liege letzt gerade zum ausruhen im Zelt drin. Die Sonne brennt herunter. Nachher machen wir noch eine Akklimatisationstour. Beim Schreiben schaue ich kurz in den Himmel und just in dem Moment fliegt ein Bartgeier über mein Zelt - wow :-). So einen habe ich bislang noch nie in freier Wildbahn gesehen.

Mein Puls ist schnell, die Atmung jedoch normal.

19:47 Uhr: Sitze jetzt im Zelt. Akklimatisationstour war gut. Bis 4450m und ich hatte keine Probleme. Hoffentlich morgen auch. Es soll schlechtes Wetter kommen und man sieht auch schon am Horizont einen Luftmassenschnitt. Habe nach der Tour, die zum Sonnenuntergang fertig war, Nudeln und Tee gekocht. Hier haben wir nur Oberflächenwasser vom Gletscher, das ich vor der Akklimatisierungstour schon in sämtlichen Behältnissen abgefüllt hatte, falls es später gefriert. Hab dann noch Nachtbilder gemacht - probiert. Ist nicht so einfach mit dem Objektiv ohne Unendlichmarkierung. Dafür hat's einen tollen Weitwinkel von 10mm und wiegt nicht viel. Ich packe jetzt noch meinen Rucksack für den Gipfelsturm. Hoffentlich bleibt das Wetter auf unserer Seite.

Gute Nacht!

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