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Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 4 – Kasbek Gipfeltag

Gipfelsturm - Jetzt geht's vollends aufi auf den Kasbek, meinen ersten 5000er. Hält das Wetter, reicht die Akklimatisation, werde ich es schaffen? Diese und andere Fragen, stellte ich mir.

15.09. / 19:37 Uhr - Draußen ist es bereits dunkel geworden, ich liege im Schlafsack und fange mal an, über den Tag zu schreiben. Geschlafen hatte ich in der Nacht gut und um 04:00 Uhr in der Früh, bin ich aufgestanden. Die Nacht war kalt und ich habe mich deshalb gleich mal warm angezogen. Es war die erste Nacht, in der ich meinen Schlafsack nicht wegen Überhitzung aufmachen musste. Hab mir dann mein Frühstück gemacht, Tee gekocht und mich dann im Licht der Sterne vollends fertig gemacht. Die Nacht war sternenklar und ich machte davon noch ein paar Fotos, während ich auf die anderen beiden wartete.

Als wir losgingen, wurde es gerade hell. Bis 4400m, also die ersten 200hm fand ich's irgendwie anstrengend, musste viel Atmen. Aber dann wurde es immer besser. Erst gingen wir zu einem Sattel hinauf, über diesen auf die andere Seite wieder leicht hinab, in einem Bogen auf den Kasbek zu und dann nur noch aufi. Ich hatte dann die ganze Tour keine Probleme mehr mit der Atmung oder Kondition. Nachts los gehen, ist halt auch für den Körper so a Sach. Es ging über den Gletscher stetig steil hinauf, steil, steil, steil... Ich schaute das erste mal bei 4850m auf den Höhenmesser. Ich war erstaunt, dass ich schon höher als der Mont Blanc war, mein Puls normal war und ich normal geatmet habe. Ein gutes Gefühl - sehr gut akklimatisiert, nennt sich das wohl :-).

So machten wir stetig und gleichmäßig Höhe. Von russischer Seite waren wir die einzige Seilschaft. Im Biwak war nur eine weitere Gruppe, die aber heute abgestiegen ist. Von Georgien kommen tendenziell immer viele Seilschaften (Normalweg). Ab dem Weg wo sich beide Routen treffen, ist es a bissle wie auf einer Autobahn - eine ausgetretene Spur, mit Stangen markiert. Auf dem Sattel zwischen Haupt- und Nebengipfel waren dann auch einige Seilschaften, man hörte viele deutsche und englische, aber natürlich auch slawische Worte. International geht's zu. Zum Gipfel ist's nun nicht mehr weit.  Die Freude groß, als ich dann oben stand. Jippie!!! Man kann weit sehen, hier auf der Grenze zu Georgien. Gen Westen sieht man sogar den Elbrus. Auf dem Gipfel waren wir, obwohl der vielen Seilschaften auf dem Sattel, erstmal eine Weile alleine - bis noch drei Slowaken kamen. Vor dem Gipfel waren die letzten drei oder vier Kehren total vereist. Sie fragten, was sie machen sollen, sie wären Anfänger und das sähe gefährlich aus mit dem Eis. Ich erklärte ihnen, dass sie bei dieser Hangneigung und dem blanken Eis entweder seilfrei gehen müssen oder mit Eisschrauben sichern, um der Gefahr eines Mitreißunfalls zu entgegnen. Eisschrauben hatten Sie nicht. Also bleibt nur seilfrei und so machten wir ihnen das auch vor, nachdem wir einige Gipfelbilder voneinander gemacht hatten. Da ist eine saubere Steigeisentechnik absolut wichtig. Wir beobachteten vom Sattel auch noch deren Abstieg. Denn einer der Dreien, war sehr unsicher und mir machte das Sorgen.

Der Abstieg zog sich. Zurück in Lager III auf 4200m, war kein anderer Mensch da. Wir machten eine Stunde Pause in der ich ein kurzes Schläfle hielt. Dann ging's ans Zusammenpacken und zum Abstieg ins Lager II auf 3500m. Als wir dort ankamen, dämmerte es schon leicht. Ich baute schnell mein Zelt auf und den ganzen Krempel, was man so braucht. Dann kochte ich mir eine Nudelsuppe - aber die bekam ich nicht runter. Dieses Instantnudelzeug hängt mir total aus'm Hals raus. Bäähhhh. Ich zwang mich. Aber noooiiii das ging nicht. Als Alternative hatte ich noch Knäckebrot. Damit's net ganz so a furztrockene Gschicht wird, trank ich Tee dazu. Aber hungrig war ich danach immer noch. Was soll's, verhungern werd i scho net und müde bin ich auch... Und seit Tagen habe ich gelüste auf Obst. Speziell auf eine Birne. Die schwebt mir dauernd im Kopf herum. Eine saftig-süße knackige goldgelbe Birne. Birne, Birne, Birne...

Bilder des Gipfeltages:

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