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Hochtouren im Kaukasus – Kasbek und Elbrus – 5 – Abstieg zum Kasbek Basecamp

Der Abstieg geht weiter. Vom Camp II geht es jetzt wieder hinab zum Basecamp bei den Thermalquellen. Ich freue mich schon jetzt, dort ein heißes Bad zu nehmen - Yeah!!!

16.09. / 15:56 Uhr: Ich liege im Zelt am Basecamp bei den Thermalquellen. Aber nun mal von Anfang des Tages an.

Heute Morgen um kurz vor sieben Uhr bin ich aufgestanden, hab Tee gekocht und bissle was gegessen - hatte immer noch keinen richtigen Appetit... Wir sind dann nach dem zusammenpacken um ca. 08:45 Uhr los zum Abstieg nach Lager I. Dort habe ich dann erstmal das Zelt aufgebaut, Luma aufgeblasen usw. Dann habe ich ein heißes Bad in den Thermalquellen genommen. Oh wie herrlich ist das denn. Da lässt es sich aushalten. Jedoch türmten sich auch Quellwolken, seit wir angekommen waren. Kaum war ich im Zelt, um die Badehose auszuziehen und mich wieder in meine stinkige Bergsteigerkluft zu werfen, fing es auch zu regnen an. Und da kam auch der Appetit wieder.

Ich habe gerade ein ordentliches Stück von der Salami gegessen, die ich bis auf 4200m hochgetragen hatte und wieder bis hier hinab. Bestimmt 8-10cm und Knäckebrot dazu. Hat gerade auch aufgehört zu regnen, wohl nur ein kurzes Gewitter, nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei. Muss das Zelt aber schnell richtig abspannen, bevor nochmal was kommt!

Nachdem ich das Zelt richtig abgespannt hatte, saß ich mit den beiden anderen noch zusammen. Wir haben Kaffee gekocht und getrunken, Süßigkeiten gesnackt und uns eine lange Zeit unterhalten.

Außer uns dreien, sind eine Gruppe von vier Jägern hier - voll bewaffnet mit Scharfschützengewehren oder sowas ähnlichem (kenn mi net aus mit Waffen, i hann den Kriegsdienst verweigert) - und einer großen Gruppe junger Menschen aus der Gegend, die zum plantschen und feiern gekommen sind - es ist ja Wochenende. Wir scherzen herum, die Jäger könnten uns ja einladen, falls sie Erfolg haben... Wir haben unsere Zelte aufgrund der "vielen" Menschen etwas abseits aufgebaut.

Von unserem entfernten Kaffee-Platz, sehen wir die Pools mit den heißen Wassern dennoch gut ein. Es ist ein bisschen wie Fernsehgucken. Die jungen Leute sitzen mittlerweile eng gedrängt in den beiden heißesten Becken und trinken Wein oder Sekt - haben sichtlich Spaß dabei. Selfie hier, Selfie da, Weinchen hier, Sektchen da...

Lichtfarbe nach dem kurzen Regen

Zum Wasser holen muss in an den Pools vorbei. Ich spüre die neugierigen Blicke der plötzlich verstummten, badenden Leute, als ich vorbei gehe und Grüße (Dobro Den / Guten Tag). Eine junge Frau spricht mich an. Ich kann leider kein russisch und erwidere auf englisch: "I'm sorry, I don't understand your language.". Schulterzucken, und sie wohl kein Englisch. Lächeln, weitergehen - Flaschen füllen, wieder vorbei, zurück gehen. Ich sage "Na svidanje" (Auf Widersehen) zu der Gruppe. Dann, als ich schon vorüber bin, ruft eine andere Frau mir hinterher "Hallo". Ich drehe mich um und erwidere "Hallo". Sie: "Sprechen Sie deutsch?". Ich: "Ja, und du offensichtlich auch". Sie springt freudig aus dem heißen Wasser, auf mich zu. "Woher kommst du? Warst du auf dem Kasbek? Hast du denn keine Angst hier her zu uns zu kommen?...". Wir unterhalten uns eine Weile köstlich, lachen viel. Die anderen hören gespannt zu und tuscheln (verstehen vermutlich nix). Sie hat seit neun Jahren kein deutsch mehr gesprochen, weil sie solange keinen deutschsprachigen Menschen mehr getroffen hat. Irina hat in Deutschland studiert und eine Weile gelebt und ist dann zur Pflege der Eltern zurück in den Kaukasus gegangen. Sprache ist einfach immer DER Schlüssel...

Es ist nun 19:45 Uhr, ich habe gegessen und trinke den Tee aus dem salzigen Quellwasser, das ich vorhin aus der kalten Quelle bei den Pools geholt habe. Ich sitze auf einem großen Stein vor meinem Zelt. Es ist beinahe windstill und in Daunenjacke, warm. Im Vergleich zu den höheren Lagen deutlich wärmer. Wenn man das kurze Gewitter vorhin bedenkt, war der Kasbek gestern wohl der perfekte Zeitpunkt. Mittlerweile ist der Himmel wieder wolkenfrei. Was für ein Sternenhimmel - einfach nur wow.

20:15 Uhr: Habe noch Sterne geguckt und bin sau müde jetzt. Ich geh jetzt schlafen. Der Gletscherbach rauscht vor sich hin. So schön hier!

Morgen werden wir noch einmal hier sein um einen Tag zu relaxen. Übermorgen steigen wir dann ab. Wir sind einen Tag eher unten als geplant, also eigentlich sogar zwei Tage, da ja ein Tag verlängert wurde. Die beiden sind sehr nett und ich fühle mich auch alleine sehr wohl. Aber gerade hab ich mir vorgestellt, das alles teilen zu können. Speziell den Sternenhimmel...

Bilder des Tages:

 

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