Neun Tage Hochtouren in den Berner Alpen und in der Bernina

Neun Tage unterwegs in den Berner Alpen und der Bernina Gruppe. Oberaarhorn, Fiescherhörner, Finsteraarhorn, Piz Palü Überschreitung. Das war zumindest der Plan.

Aber jetzt mal von vorn.

 

 

 

Tag 1:

Anfahrt und Aufstieg zur Oberaarjochhütte. Vom Oberaarsee gingen wir, an diesem entlang, flach zum Talschluss, wo der Oberaargletscher beginnt.
Dort haben wir die Steigeisen angelegt. Angeseilt haben wir uns erst ab 2400m, als der Gletscher nicht mehr aper war. Irgendwie leicht angeschlagen, in der Hitze des Sommers, schleppte ich mich zum Oberaarjoch auf 3212m hinauf.
Genächtigt haben wir in der Oberaarhütte, die über dem Oberaarjoch liegt. Das war eine sehr kleine Hütte. Selten habe ich so einen schmalen Schlafplatz gehabt, wie dort. Auch sonst, war's da recht päp. Geschlafen habe ich kaum.

Tag 2:

Früh gingen wir los. Erst auf's Oberaarhorn, 3629m, welches wir kurz nach Sonnenaufgang erreichten. Anfangs ging es in leichter Kletterei und dann im Firn zum Gipfel. Dann stiegen wir wieder zum Joch ab, über den Studergletscher zum Galmigletscher und bei etwa 2400m, spaltenreich auf den Fieschergletscher.
Über diesen gingen wir im Spaltenwirrwar nun wieder aufwärts zur Finsteraarhornhütte auf 3048m. Was ist das denn bitte für eine noble Hütte im Vergleich zum Vortag? Jeder hatte sein eigenes Bett, trotz Lager :-). Konditionell schaffte ich es gut, trotz der Erkältung. Aber schlafen konnte ich wieder kaum.

Tag 3:

Wieder Früh, natürlich dann, wenn ich endlich schlafen könnte, mussten wir aufstehen. Ein langer Hatscher zu den Fiescherhörnern stand uns bevor.
Erst flach und lange auf dem Fieschergletscher bis zum Eisbruch. An diesem gingen wir rechts halted vorbei, steil hinauf bis oben, wo es dann flacher wird. Alles musste gespurt werden, was mühsam war. Selbst ich als zweiter in der Seilschaft musste noch einmal nachtreten.

Wir stiegen auf das Hintere Fiescherhorn, 4025m. Über die steile NO-Flanke auf den Grat, dann zum Gipfel. Mit dem Wissen um die Verhältnisse und den Blick rüber auf's Große Fiescherhorn, hat uns dazu bewogen, dieses nicht zu besteigen.
Wir hatten ja noch einen langen Rückweg und mussten bei weichstem Firn, durch die Serac Zone absteigen.

Am Abend noch beschloss ich, am Folgetag einen Pause einzulegen. Die Erkältung und der Schlafmangel mussten bekämpft werden und das geht wohl am besten mit Schlaf.

Tag 4:

Pause. Während die anderen loszogen um das Finsteraarhorn, 4274m, zu besteigen, hab ich ausgeschlafen. Und lange geschlafen. Bin nach dem Frühstück wieder ins Bett. Der Pausentag tat gut, aber er war auch verdammt lang - so ohne fort zu kommen, von der Hütte.
Die anderen sind, wie nahezu alle Seilschaften, nicht zum Gipfel des Finsteraarhorns gekommen, sondern haben wegen den Verhältnissen abgebrochen.

Tag 5:

Am fünften Tag war der Übergang von der Finsteraarhornhütte zum Oberaarsee dran. Also genau den gleichen Weg von den ersten beiden Tagen, reverse.
Teile der Mannschaft fuhren heimwärts. Wir fuhren zum Furkapass und nächtigten dort.
Das Wetter schlug dann um - das dauerhafte Hoch wurde von einem tief verdrängt. Und das nicht nur hier, sondern auch in der Bernina.

Wir beschlossen nach ausgiebigen Telefonaten und Internetrecherche, die Piz Palü Überschreitung abzublasen. Die Wetteraussichten waren mehr als schlecht und für die Überschreitung brauchten wir gute. So fuhren wir am sechsten Tag heimwärts.

So waren es letztlich keine neun Tage, aber es waren fünf tolle, ereignisreiche Tage in genialer Landschaft. Die Berner Alpen sind immer einen Besuch wert - und ein Traumgipfel ist ja noch übrg :-).

Andere Berichte zur Tour:

Von Myriam in ihrem Blog "Puls der Freiheit":

https://www.puls-der-freiheit.de/2017/08/24/5-tage-hochtourengenuss-in-der-schweiz/

Bilder der Tour:

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2 thoughts on “Neun Tage Hochtouren in den Berner Alpen und in der Bernina

  1. conny

    Hallo Joe,
    wow, was für eine mehrtätige Tour. Beeindruckend diese herrliche Landschaft. Und dann noch blauer Himmel an den meisten Tage. Perfekt.
    Von den Gletscherspalten seid ihr verschont geblieben oder? Keiner hinein gerutscht. Meine erste Gletschertour, wie du ja gelesen hast, hat mir gehörig Respekt den Spalten ggü eingeflößt. Das geht so schnell, dass man eini rutscht. Aber in einer Seilschaft ist alles im grünen Bereich.

    LG Conny

    Was heißt eigentlich 'päp'?

    Reply
    1. Joe Stiegler

      Hey Conny,

      ja von derlei Ereignissen sind wir verschont geblieben. Insgesamt über alle meine Hochtouren gesehen, ist nur einmal ein Spaltensturz passiert. Alles andere war geplant, für Trainingszwecke. Ich hab mich ehrlich gesagt etwas über die Häufigkeit bei deiner Tour gewundert. Lag das an den Verhältnissen (z.B. weiche Schneebrücken) oder den HT unerfahrenen, evtl. unaufmerksamen Teilnehmern?

      Wir haben in unserer AV Sektion ein dreistufiges HT Ausbildungskonzept. Einen viertägigen Eiskurs mit Material/Knotenkunde, Karte/Kompass/GPS, Planung, Rutsch/bremstraining, Steigeisen und Pickel Benutzung und Spaltenbergung. Dann Anfänger Hochtouren wo mal planen und führen kannst, ein paar Wochen danach. Im zweiten Jahr ein Auffrischungsworkshop mit Steilfirn etc...

      Päp ist schwäbisch und bedeutet knapp gehalten, eng, geizig, so diese Art. Wenn die Brotscheiben abgezählt sind zum Beispiel.

      LG Joe

      Reply

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