Befahrung der Falkensteiner Höhle

Portal

Die Falkensteiner Höhle ist eine aktive Wasserhöhle, die viel von dem Besucher fordert. Sie wird von der Elsach durchflossen und sie ist eine der längsten und imposantesten Höhlen der schwäbischen Alb. Eine gute vorausschauende Planung und Ausrüstung ist unerlässlich bei der Befahrung. Erfahrung in Höhlenbefahrungen ebenso!

Die Prognosen waren in Ordnung. Das Wetter habe ich eine Weile im Voraus beobachtet, die Wasserstände auch. Scheint alles zu passen.

Wir trafen uns morgens, fuhren gemeinsam auf die Alb. Weit haben wir es nicht dahin. Am Parkplatz legten wir erst einmal Neopren und Schlatz an, Helme mit Lampen dran, Fotoapparat, Getränk. Im Wassersack: Essen, zwei Packen Ersatzbatterien, Schokolade.

Noch schnell Meldung an den Bekannten machen, der weiß wo wir sind und im Zweifel nach abgemachter Zeit, die Höhlenrettung verständigen kann, sollten wir uns bis zum vereinbarten Termin nicht mehr melden. So ein Backup ist unabdingbar in dieser Höhle!

Dann liefen wir zum imposanten Höhlenportal. Als ich im Winter bei einer Wanderung hier vorbei gekommen bin, trat kein Wasser aus dem Portal aus. Dieses mal, ein paar Wochen später, aber schon. Das ist schon das erste Zeichen für hohen Wasserstand. Durch die Recherchen im Vorfeld, wussten wir das aber schon. Am ersten Siphon (ein Pseudosiphon) soll der Stand bei 35cm sein. Das bedeutet an diesem Siphon: 5cm Luftspalt. Aber gucken wir mal vor Ort...

Also Lampen an. Hinein in die Höhle. Nach kurzem waten in der Elsach erreichen wir den "Demutsschluf", der seinem Namen alle Ehre macht. Der weitere Verlauf ist insgesamt meist sehr geräumig. Stets im Bachbett watend geht es voran. Vorbei an versinterten Wänden, da kann man nur staunen. Lange verweilen sollte man aber nicht, wenn man weit hinein will. Imposanten riesigen Formen, folgen noch mehr imposante Formen. Auch kleine Versteinerungen an den Wänden, kann man sehen, wenn man das Auge für Details besitzt. Zu sehen gibt es wahrlich mehr als genug. Und obwohl ich nicht zum ersten mal hier bin, ich bin wieder fasziniert von dieser Höhle.

Dann erreichen wir nach einer guten Zeit den "ersten Siphon". Und in der Tat, der Wasserstand liegt bei 35cm. Als ich das letzte mal hier war, war er komplett voll. Damals wie heute ist durchtauchen angesagt. Denn sich, bei nur 5cm Luftspalt, auf den Rücken legen und mit Gesicht nach oben, sich an der Höhlendecke voranziehen, das kann machen wer will, ich gewiss nicht. Wenn da eine kleine Welle entsteht, hast du Wasser in der Nase und dann? Nein Danke, keine Experimente 😉

Nach Siphon 1

Dann kommen wir bald zur "Reutlinger Halle". Hier müssen wir etwas hinaufsteigen und über Blöcke klettern, später wieder hinab zum Bach steigen. Die Kletterei bewegt sich oft im UIAA I-I+ Grad. Wir versteigen uns erst einmal, schlufen durch einen Spalt, stehen wieder im Bachbett und laufen in die Richtung von wo wir herkommen. Das merken wir aber nach ein, zwei Minuten. Das ist für mich der Beweis, dass nach einer gewissen Zeit in einer Höhle, der Orientierungssinn eingeschränkt ist. Also nochmal das kurze Stück zurück, den Weg suchen und dann klappt's auch. Die richtige Richtung ist wieder eingeschlagen.

Wir gehen weiter und wandeln nun auf der schönen "Wasserfallstrecke". Vorbei an Sinterkaskaden und über Wasserfallstufen geht's merkbar aufwärts. Die Geräuschkulisse ist hier auch deutlich anders, lauter, rauschend - Wasserfallstrecke eben. So richtig was für's Auge. Unterirdische Wasserfälle, meine Damen und Herren - Wow!

Krokodil

Noch nicht merkbar müde vom Staunen, fotografieren und im Wasser waten, von Kälte und Dunkelheit, erreichen wir das "Krokodil" - einen abgebrochenen Tropfstein. Dies markiert gleichzeitig das Ende der "Wasserfallstrecke" und wir stoßen auf die "Lehmwände". Beim letzten mal, haben wir hier abgebrochen. Dieses mal aber, wollen wir weiter gehen. Soweit gehen, wie wir eben kommen. Mein persönliches Ziel: Zweiten Siphon erreichen.

Das folgende Teilstück ist gefährlich, alles ist rutschig, lehmig, feucht. Es gibt keine großartigen Möglichkeiten um sich irgendwo festzuhalten, außer ein vorhandenes und sehr hilfreiches Fixseil. Eine lange Strecke, stets auf dem trockenen, führt über diese Lehmigen Stufen, Wände, Steine, Gänge, schmale Absätze am Abgrund... Eigentlich muss in der Höhle immer jeder Tritt und Griff sitzen. Hier aber ist man schon besonders gefordert. Scheinbar ewig geht man nun in diesem Lehmpfuhl umher. Erst hinauf, dann irgendwann durch das "Fuchsloch" wieder hinab. Wieder mit Fixseilen mit geknoteten Trittschlingen. Das fordert spätestens beim Rückweg seinen Tribut. Mir wird sichtlich warm hier im trockenen und meine Lampe meldet schon ab und zu "schwache Batterie".

Es ist angenehmer, dann wieder im kalten Wasser zu stehen. Dann folgt auch bald das "Waschbrett". Eine breite aber niedrige Schlufstrecke von mehreren Metern Länge, die bei hohem Wasserstand einen langen Siphon bildet. Ich bin etwas hinterher, die beiden sind schon einige Meter voraus, als sich meine Lampe wieder meldet. Batterien leer. Ich rufe die beiden noch rechtzeitig herbei. Batteriewechseloperation. Und das mit Neoprenhandschuhen - schier unmöglich. Diese auszuziehen allerdings auch, so auf die schnelle... Ein Gefummel ist das... Aber im Team klappt es dann.

Königshalle

Der Höhlenbach ist dann mehrmals abwechselnd Knietief bis Hüfthoch. Irgendwann geht links ein Gang ab und wir staunen nicht schlecht, als wir die Königshalle betreten. Ein Wahnsinns schöner Tropfstein präsentiert sich. Weitere kleinere außen herum. Wir lassen uns viel Zeit zum fotografieren. So recht gelingen, will es allerdings nicht. Zu wenig Licht, der Atem kondensiert, es entstehen Wolken vor der Kamera. Blitzen geht daher nicht, aber ohne entsprechend viel Licht, geht es auch ohne Blitz nicht so, dass es scharf wird. Naja es ist einfach eine andere Welt hier drin.

Nach der Königshalle folgen wir der Kolkstrecke eine Weile und machen dann zum ersten mal so richtig Pause, mit Essen und allem. An dieser Stelle, irgendwo zwischen der Kolkstrecke und der Bänischhalle, wo der zweite Siphon ist, beschließen wir auch abzubrechen.

Trotz Stärkung und zur Zeit der Pause, kein Gefühl von Schwäche, gestaltet sich der Rückweg bald anstrengender als gedacht. Wieder ein Beweis, dass die Energiereserven in einer Höhle schneller schwinden, als angenommen. Meine Kraft lässt nach, mir ist warm, zu warm in den trockenen Bereichen. Ich merke es so richtig beim Rückweg durch die "Lehmwände". Ist das die sogenannte "Hyperthermie", frage ich mich. Alles ist auf einmal so anstrengend. Ich brauche viel Atem, der Puls ist schnell. Ich habe unendlichen Durst. Die Schritte werden unkontrollierter. Die Konzentration lässt nach. Und das wird erst besser, als ich ordentlich was getrunken habe und zudem wieder im kalten Wasser bin.

Ich spüre wie mein Körper abkühlt. Die Schritte sind dennoch schwer. Das Wasser aufgewühlt. Ich sehe schon lange nicht mehr, wo ich hintreten kann. Ich stolpere umher, falle dann und wann ins Wasser und genieße das. Mache das schon fast absichtlich. Eine schöne Erfrischung. Ich schleppe mich den anderen hinterher und ich spüre, wie sich mein Körper die Kraft zurück holt. Ich laufe einfach, ohne an die Schwäche in allen Gliedern zu denken. Was bleibt mir übrig?

Stück für Stück baut der Körper auf und Stück für Stück geht es Richtung Höhlenportal. Ich will seit einer Weile einfach nur wieder draußen sein, raus aus dem Neopren, raus aus dem Schlatz.

Wieder am ersten Siphon angekommen, bin ich schon deutlich fitter. Durchatmen, tief einatmen, durchtauchen... Weiter gehen. Ich weiß aber, der Weg ist noch lang, nicht so schnell machbar. Zusammenreißen. Bald sprach auch keiner mehr ein Wort. Wohl alle geplättet.

Und irgendwann nach einer Kurve, fällt mir Tageslicht ins Auge. Das Portal ist in Sicht! Tageslicht! Nach acht Stunden in der Höhle. Das ist wie ein Sonnenaufgang nach einer langen Nacht. Das ist die Genugtuung. Ich freue mich! Ich freue mich immer, wenn ich wieder die frische Luft atmen, das helle Licht der Außenwelt, sehen kann. Ich fühle mich plötzlich wie neu geboren. Glückshormone strömen ins Gehirn. Ein Redefluss bricht los. Gedanken werden erzählt.

Jeder hat die Befahrung auf seine Weise erlebt, obwohl wir zusammen da drin waren. Wir tauschen uns aus. Wir sind uns einig, der Rückzug war perfekt, hätte nicht später sein dürfen! Drei glückliche Gestalten, gehüllt in Neopren und Schlatz, wandeln freudig zum Parkplatz. Und dann endlich raus, aus dieser Klamotte.

Bilder der Tour (Achtung viele, da einfach geilomat!):

ShareTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Email this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.