Kurzurlaub auf der vielseitigen Alb

Eine kleine Ferienwohnung in Münsingen diente als Basis für die Tage, die geplant waren, um gemütlich zu Wandern, zu Klettern und zu fotografieren. An Unterkünften gibt es auf der Alb, vom Camping bis zum Hotel alles und in jeder Preiskategorie. Wir hatten vier Tage, um etwas zu unternehmen. Die Woche vor Ostern war dazu perfekt. Noch vor dem kommenden Tief aus dem Norden. Sonne, Wolken und Wind wechselten die Tage. Allerdings kein Regen und kein Schnee, so wie es eine Woche später, der Fall war. Glück braucht man eben auch :-).

Am ersten Tag schien nichts so zu funktionieren, wie geplant. Schon das fortkommen wurde verzögert. Die Fahrt aufgrund dem rücksichtslosen Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer, der Stressor schlechthin.

Da die Ferienwohnung erst ab Nachmittag zugänglich war, war der Plan zum Schloss Lichtenstein zu wandern und das Schloss ordentlich abzulichten (weil es meiner Meinung eins der schönsten ist) und ich wollt das schon lange mal fotografieren. Schon bei der Fahrt durch's Tal erblickte ich das Schloss. Und was sehen meine Augen? Ein Gerüst um den Turm! Sowieso vom Verkehr genervt, war die Stimmung nun im Keller. Aber da muss man halt an sich arbeiten 😉

Der Wanderweg zum Schloss ist nicht anspruchsvoll. Stetig geht's die Schlosssteige hinauf. Irgendwann beginnen die Felsen rechts vom Weg. Da ist dann am Wegesrand auch das Portal der Brunnensteinhöhle zu sehen. Mein Forscherdrang lässt mich gleich einsteigen. Die Stirnlampe ist für solche Fälle immer im Rucksack :-). Es geht nur wenige Meter in den Fels. Dann folgt ein enger Schluf, der mit einem massiven Gitter gesperrt ist. Danach folgt ein weit verzweigtes Höhlensystem, dass 1397m tief erforscht, sehr gefährlich und sehr eng ist und eine unberechenbare Wasserführung aufweist. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht.

Der weitere Wanderweg verläuft dann durch eine Schlucht aus höheren Felsen. Dann erreicht man das Schloss auch vollends schnell. Ein Eintritt ist fällig. Zwei EUR um den Hof betreten zu dürfen und acht EUR für eine Führung im Schloss.

Ich denke, von den Felsen gegenüber des Tales, dem Locherstein, kann man mit geeigneter Brennweite auch aus einer anderen Perspektive gute Fotos des Schlosses machen.

Da es eine Wanderung sein soll, ist hier natürlich nicht Schluss. Über Wald und Felder geht's zu einem schmalen Pfad am Trauf hinauf zum Gießstein, einem Felsen mit guter Aussicht. Auf dem Weg dorthin kreuzt ein unscheinbarer Pfad und führt etwas abseits hinab zum Geldloch. Das ist eine kleine Höhle, auch Goldloch genannt. Gefunden wurde darin in der Tat Münzen vom Jahre 1778. Die Höhle weißt alte, mit Sinter überzogene Verstürze und imposante Stalagmiten im hinteren der geräumigen Eingangshalle auf. Der Atem kondensiert hier drin, während draußen die Sonne scheint. Man spürt den Temperaturunterschied sofort.

Der morgendliche Stress ist mittlerweile vergessen. Vielleicht ist ja das Höhlenfieber ausgebrochen 😉 Aber ohne Schlatz und Helm gehe ich nicht tiefer hinein. Dafür ging's zurück zum Wanderweg und weiter zum genannten Felsen und dann hinab ins Tal. Die Ferienwohnung will ja auch noch bezogen werden.

Bilder Tag 1:

Am nächsten Morgen ging's zum Klettern im nahegelegenen Sankt Johann. Von einem Wanderparkplatz, geht man in kurzer Zeit durch den Wald zum Wiesfels oder noch ein Stück weiter zum Roßfels. Da ich das Wochenende zuvor bereits am Roßfels klettern war, war nun der Wiesfels dran. Das ist ein Fels, der für jeden etwas zu bieten hat. Von 3-9 UIAA, gibt's Routen. Daher ist hier meist viel los. Wir sind aber früh da, es ist wenig los und der Fels noch im Schatten. Wenigstens ist es windgeschützt hier. Ein paar Routen später, kam die Sonne an den Fels. Nun war T-Shirt Wetter und die Finger tauten auf. Das Klettern ist genüsslich und macht gehörig Spaß hier. Der Fels ist fest und griffig. Ich stehe vor einer Route, sehe keine Tritte, keine Griffe, nur einen Riss, aber der gehört nicht zur Route. Aber nach dem Einstieg finde ich was ich brauche, dann ohne Mühe. Einer nach dem anderen, zackig geht's hinauf. Wo ist die Vorstiegsangst geblieben, die mich manchmal bremst, das Gefühl, beim übersteigen des Hakens? An diesem Tag, ist sie nicht spürbar 🙂 Ein großer Genuss und stärkend obendrein. Irgendwann gegen Nachmittag, nach mehreren Stunden des Kletterns, sind natürlich trotzdem die Arme lahm, die Beine müde und die Psyche doch noch angekratzt und dann kommt man die letzte Tour doch nicht mehr ganz hinauf, obwohl man den Grad beherrscht. Dann komm ich eben nochmal wann anders vorbei und mach fertig. Auf dem Felskopf kann man übrigens schön sitzen und in die Ferne blicken und eine Grillstelle ist auch nur ein paar Meter weiter. Und wenn's hier zu voll ist, geht man einfach 15 Minuten weiter zum Roßfels.

Bilder Tag 2:

Der dritte Tag, war Wandertag. Eine Runde von Seeburg zur Ruine Hohenwittlingen mit Abstecher zur Schillerhöhle war der Plan. Gleich beim loswandern trafen wir auf den Ortsvorsteher von Seeburg. Der war nicht schüchtern, sprach uns an und erzählte uns gleich mit seiner netten Art, einige interessante Details, über das Dorf. Es liegt idyllisch zwischen Felsen in einem Tal. Dieses wird von der Erms und dem Fischbach durchflossen. Der Wanderweg folgt dem Fischbach längere Zeit, biegt dann ab und steigt gleichzeitig an und man kommt so auf die Hochfläche. Spätestens hier blies der kalte Wind. Bald erreicht man den Ort Wittlingen und ist man durch diesen, kommt man wieder auf einen Pfad, der oberhalb der Wolfsschlucht, zur Ruine führt. Ein Abstecher noch vor der Ruine, führt zur Schillerhöhle hinab. Die ist bekannt aus dem Roman "Rulaman". Im Roman heißt sie allerdings "Tulkahöhle". Ich ging eigentlich davon aus, dass zu dem Datum noch für den Fledermausschutz, das Höhlenportal mit einem Tor verschlossen wäre. Aber das Tor war bereits geöffnet. Also wagten wir uns hinein. Im Inneren der Höhle stieß ich schnell auf vereinzelte Fledermäuse, die hier vermutlich genächtigt haben. Der Winterschlaf müsste meiner Meinung schon vorbei gewesen sein, da die zweite Hälfte des Februars und der ganze März sehr warm waren. Die weitere Erforschung der Höhle verschob ich deshalb dennoch auf ein anderes mal.

An der Ruine Hohenwittlingen, gab es dann die Pause und den verdienten Wandersnack. Dabei ruinierte ein Schnitt in den Finger, das geplante Klettern am letzten Tag. "Zum Glück" war's nicht mein Finger und auch nicht so tief, aber zum klettern einfach zu unangenehm. Umplanen kann man ja leichter, als Klettern alleine 😉

Bilder Tag 3:

Eine kleine Tour über den Dächern von Dettingen an der Erms war schnell, als Alternativprogramm für den vierten Tag, im Führer gefunden. Hier wollte ich auch schon lange mal her kommen. Durch die Höllenlöcher, einer kleinen Klamm soll es gehen und auf die Suche nach der Gönningershöhle. Gefunden haben wir sie schneller als gedacht. Nur nach der Eingangshalle kommt man ohne Ausrüstung nicht weiter, da dann ein mehrere Meter tiefer Schacht folgt. Der Temin für die weitere Erforschung steht nun zur Zeit des Schreibens aber.

Auf dem Rückweg sammelten wir noch ordentlich Bärlauch, der hier wuchs, soweit das Auge reicht. Dann ging's aber auch schon heimwärts und aus Bärlauch wurde leckeres Pesto, dass mich heute noch ernährt.

Bilder Tag 4:

Fazit:

Alb lohnt sich immer wieder. Sie ist vielseitig, bietet für jeden was und unsereins isch au schnell droba.

Nur meißt fahr ich drüber hinweg, in die Alpen. Deshalb darf's so dr'zwischanai, au mole a Woch uff dr Alb gwäa sai. Die Mischung macht's!

Planung:

Folgende Bücher und Karten benutze ich zur offline Planung bei Aktivitäten auf der Schwäbischen Alb und kann sie allesamt empfehlen:

  • Panico Kletterführer Uracher Alb
  • Panico Kletterführer Lenninger Alb
  • Rother Wanderführer Schwäbische Alb Ost
  • Rother Wanderführer Schwäbische Alb West
  • Höhlenführer Schwäbische Alb
  • Topokarten des schwäbischen Albvereins
Führerliteratur Schwäbische Alb
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5 thoughts on “Kurzurlaub auf der vielseitigen Alb

  1. Marion

    Hallo Joe , das ist wieder ein sehr schöner Bericht. Man bekommt sogar Lust mal in so eine Höhle zu gehen. Freilich nicht weiter rein , nur so weit, wie ich das Tageslicht noch sehe. 😄

    Reply
    1. Joe Stiegler

      Hey Mama, danke 😊
      Haha, das will ich sehen, du in einer Höhle 😛 Abgemacht. Ich habe schon eine Idee 😉

      Reply
  2. Conny

    Hi Joe,
    das war ja ein buntes Wochenende. Kultur, Klettern, Wandern. Bei dem Bericht kann man gut sehen, was die Alb alles zu bieten hat. Ne Menge wie man sieht. 🙂

    Das Klettern lass ich außen vor. Nicht janz mein Ding. Mehr Angst, als Spaß. 😀

    Dein Dialekt ist ja auch nicht schlecht 😀

    Beste Grüße aus dem Allgäu
    Conny

    Reply

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